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Die Hardanger Stickerei ist eine Handarbeitstechnik, die aus
Plattstichornamenten und Durchbrucharbeit besteht, bei der Gewebefäden
geschnitten und ausgezogen werden.
Die einzelnen Handarbeitsstiche sind im Bereich Handarbeitstechnik
vorgestellt.
Den Namen hat die Hardanger Stickerei vom Norwegischen Hardangerfjord.

Bild: Pixelio.de
Der Ursprung der Hardanger-Stickerei ist zeitlich nicht genau zu beziffern und
wird im Orient vermutet. Die ersten Durchbruchstickereien entstanden im 7.
Jahrhundert in Persien. Von hier aus verbreiteten sie sich. Seefahrer brachten
kostbare Stoffe mit diesen Stickereien in viele Länder.
Wir finden Ähnliche Stickereien z.B. in Russland, Slowenien, Cypern
(Lefkara-Stickerei) und Italien (Punto Antico und Reticella und Venezianische Nadelspitze), in Schottland (Ayrshire work), Holland und Dänemark (Hedebo).
Während der Renaissance fand ein reger Handelsaustausch zwischen Italien und
Norwegen statt und die kostbaren Stickereien waren sehr gefragt.
Damit sich auch normale Bürger und nicht nur die Reichen diese schöne
Handarbeit leisten konnten entwickelte man in Norwegen eine eigene Technik
daraus und nannte sie "Norwegian Drawn Work" und später
"Hardangersom", was nichts anderes bedeutet als "Arbeit aus der
Hardanger Region".
Man arbeitete sie auf Leinen und verzierte damit die Norwegische Tracht
"Bunad"
genannt, in Schürzen und Blusen.
Das ursprüngliche "Norwegian Drawn Work" ist eine direkte
Abwandlung der Reticella Spitze. Die ersten Spuren findet man in Rindalen
in Nordmore (Norwegen) um 1790. Das italienische Vorbild entstand aus
Doppeldurchbruch mit geometrischen Motiven, dem das ursprüngliche
Hardanger sehr ähnelt.
In der Renaissance waren geometrische Formen und Ornamente sehr beliebt,
so wurde die Hardanger Stickerei sehr bekannt und verbreitete sich
schnell. Auch in den Heimtextilien, in Tisch- oder Bettwäsche oder
Vorhängen wurde diese Handarbeitstechnik gerne verwendet.
In den Motive finden sich Assyrische und Ägyptische Einflüsse die auf die
Vikinger zurück geführt werden, von denen viele Seereisen ins Mittelmeer
nachgewiesen sind. Der 8-strahlige Stern ist in jeder Kultur zu finden. Er
bedeutet Glück und die Wege zum Glück in allen 8 Richtungen des Kompasses.
Ganz besonders in Skandinavien ist der 8-strahlige Stern, basierend auf
heidnischen Überlieferungen, ein magisches und schützendes Ideogramm
gewesen.
Ca 1895 entdeckten Webereien die Hardanger-Stickerei. Zu der damaligen Zeit
waren Techniken und Muster nicht unter Copyright und so übernahmen sie die
lokalen gebräuchlichen Vorlagen und druckten die ersten Broschüren in Serie.
Offiziell vorgestellt wurde Hardanger Stickerei dann bei der Weltausstellung
in Paris. Die erste in Amerika dokumentierte Hardangeranleitung stammt aus
dem Jahre 1901 erschienen im "The Ladies' Home Journal" von Sara
Hadley. Viele Veröffentlichungen folgten u.a. von DMC und Priscilla.
Mittlerweile gibt es zahlreiche Nachdrucke, die noch heute im Buchhandel oder
im Internet erhältlich sind.
Viele dieser Informationen findet man im Norwegisch-Amerikanischen Vesterheim
Museum in Iowa.
Während der Emigrationszeit zwischen 1840 und 1920 wanderten viele
Skandinavier nach Amerika aus und nahmen das Wissen um diese Sticktechnik mit.
Dieses Wissen wird vom Vesterheim Museum dokumentiert und gezeigt.
Die traditionelle Art der Stickerei hat noch heute viele Liebhaber.
Natürlich immer in den traditionellen Vorgaben: Weiss auf weiss oder ecru auf
ecru.
Während der Weltkriege wurde es auch ruhig um die Hardanger Stickerei. Erst
um 1970 erlebte sie ein Comeback.
Neue Materialien und Ideen brachten Farbe in die Stickerei.
Heute sind den Ideen keine Grenzen gesetzt.
Farbige Stoffe und Garne, Seide und Perlen und die Kombination mit anderen
Sticktechniken geben Hardanger ein neues Gesicht.

Copyright Vera Stoll, 2007